Emotion oder Gefühl?
- IfP Team

- 12. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Wie wir lernen können, unser inneres Erleben bewusster wahrzunehmen.
Manchmal reagieren wir stärker, als wir möchten. Ein kleiner Kommentar, ein Blick, ein Schweigen– und plötzlich spüren wir Wut, Rückzug oder Traurigkeit. Oft verstehen wir selbst nicht, warum uns etwas so tief berührt.
Die Autorin Diana Richardson liefert dafür eine hilfreiche Differenzierung: Sie unterscheidet zwischen Emotionen und Gefühlen – zwei Begriffe, die im Deutschen meist synonym verwendet werden, aber etwas ganz Unterschiedliches beschreiben.
Emotionen: Haben einen Vergangenheitsbezug
Emotionen, so Richardson, sind alte Erfahrungen, die im Körper gespeichert sind. Sie entstehen aus unverarbeiteten Erlebnissen – Momenten, in denen wir uns verletzt, überfordert oder nicht gesehen gefühlt haben. Diese Emotionen wirken weiter, auch wenn wir den ursprünglichen Auslöser längst vergessen haben.
Kommt es dann in der Gegenwart zu einer ähnlichen Situation, wird die alte Emotion "getriggert" –und wir reagieren intensiver, als es die aktuelle Situation eigentlich erfordert.
Typisch dafür sind:
Schuldzuweisungen („Nie hörst du mir zu ...“)
Rückzug und innere Taubheit
Ein verengtes Blickfeld
Das Gefühl, unverstanden oder allein zu sein
Kreiselnde Gedanken, Müdigkeit, Erschöpfung
Emotionen haben also ihren Ursprung im Inneren – sie sind gespeicherte Energie, die sich zeigen will, um gesehen zu werden.
Gefühle: Die Sprache des Hier und Jetzt
Gefühle hingegen entstehen im Moment. Sie sind unmittelbare Reaktionen auf das, was jetzt gerade passiert – etwa Freude, Neugier, Berührung oder auch Traurigkeit. Gefühle helfen uns, präsent zu bleiben. Sie schaffen Verbindung zu uns selbst und zu anderen. Wenn wir uns ihnen bewusst zuwenden, können sie helfen, alte Emotionen zu lösen – statt sie weiterzutragen.
Ein Werkzeug zur Selbstwahrnehmung
Richardsons Differenzierung ist kein theoretisches Konzept, sondern eine Einladung zur
Beobachtung: Wie reagiere ich in Konflikten oder in Momenten von Nähe und Distanz? Spüre ich, was im Hier und Jetzt passiert – oder kämpfe ich gegen etwas Altes an? Diese
Selbstbeobachtung kann befreiend sein. Denn wer erkennt, dass eine starke Emotion aus der Vergangenheit stammt, kann aufhören, sie auf die Gegenwart zu projizieren.
Was hilft, wenn Emotionen übernehmen:
Rationales Nachdenken bringt uns in emotionalen Zuständen selten weiter. Körperliche Bewegung dagegen kann helfen, wieder ins Jetzt zurückzukehren. Ein Spaziergang, bewusstes Atmen oder Sport unterstützen den Körper dabei, die gespeicherte Energie loszulassen. Manchmal ist es genau dieser Schritt – vom Kopf in den Körper –, der uns wieder in Kontakt mit echten Gefühlen bringt.
Im IfP: Räume für Bewusstheit und Entwicklung
Im IfP – Institut für Persönlichkeitsentwicklung – arbeiten wir genau an dieser Schnittstelle: zwischen Emotion und Gefühl, zwischen dem, was uns geprägt hat, und dem, was wir heute daraus gestalten können. In Selbsterfahrungsgruppen, Coachings und Ausbildungsprogrammen schaffen wir Räume, in denen Menschen lernen, ihre inneren Muster zu erkennen, Emotionen zu verstehen und daraus neue Handlungsfreiheit zu gewinnen.
Denn Persönlichkeitsentwicklung beginnt dort, wo wir lernen, mitfühlend auf das zu schauen, was in uns wirkt.
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