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Die drei Wege der menschlichen Bewältigung: Das Horneyische Modell im Alltag verstehen

  • Autorenbild: IfP Team
    IfP Team
  • 19. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Nov. 2025

Warum reagieren Menschen so unterschiedlich auf dieselbe Situation? Während der eine bei Kritik sofort in die Defensive geht, zieht sich der andere zurück und ein dritter versucht zu vermitteln. Die Antwort liegt in einem der faszinierendsten Persönlichkeitsmodelle der Psychologie: dem Horneyischen Modell.


Karen Horney, eine Pionierin der Psychoanalyse, erkannte bereits in den 1930er Jahren, dass Menschen auf ihre tiefste Angst – die Grundangst vor Isolation und Hilflosigkeit – mit drei grundlegenden Bewältigungsstrategien reagieren. Diese Erkenntnisse sind heute relevanter denn je, nicht nur für Therapeuten und Coaches, sondern für jeden, der sich selbst und andere besser verstehen möchte.


Was ist die Grundangst?


Im Kern des Horneyischen Modells steht die Grundangst – das Gefühl, hilflos und ausgeliefert zu sein in einer potenziell feindseligen Welt. Diese Angst entsteht meist in der Kindheit durch Mangel an Wärme, Akzeptanz oder durch ablehnende Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen.


Doch Horney ging weit über die reine Problemanalyse hinaus. Sie erkannte, dass Menschen nicht passiv dieser Angst unterliegen, sondern aktive Bewältigungsstrategien entwickeln. Diese drei "Bewegungen" prägen unser Verhalten ein Leben lang:


Die drei Horneyischen Typen im Detail


Der Entgegenkommende Typ: "Bewegung auf andere zu"


Kernstrategie: "Wenn du mich liebst, wirst du mich nicht verletzen."


Menschen dieses Typs suchen Sicherheit durch Zuwendung und Anerkennung. Sie sind oft:

- Harmoniebedürftig und konfliktscheu

- Hilfsbereit und selbstlos (manchmal übertrieben)

- Abhängig von der Bestätigung anderer

- Bereit, eigene Bedürfnisse zurückzustellen


Im Alltag erkennbar: Die Kollegin, die immer "Ja" sagt, auch wenn ihr Terminkalender bereits überquillt. Der Partner, der lieber schweigt, als einen Streit zu riskieren.


Der Selbstbewusste Typ: "Bewegung gegen andere"


Kernstrategie: "Wenn ich Macht habe, werde ich nicht verletzt."


Diese Menschen suchen Kontrolle und Überlegenheit als Schutz[2][4]. Typische Merkmale:

- Durchsetzungsstark und wettbewerbsorientiert

- Kontrolle über Situationen anstrebend

- Direkte Kommunikation, manchmal konfrontativ

- Hohe Ansprüche an sich und andere


Im Alltag erkennbar: Der Chef, der jede Entscheidung selbst treffen möchte. Die Verhandlungspartnerin, die niemals als erste ein Zugeständnis macht.


Der Zurückhaltende Typ: "Bewegung weg von anderen"


Kernstrategie: "Wenn ich mich zurückziehe, kann mich nichts verletzen."


Autonomie und Unabhängigkeit stehen im Vordergrund. Charakteristisch sind:

- Vermeidung enger emotionaler Bindungen

- Hoher Wert auf Selbstständigkeit

- Zurückhaltung in sozialen Situationen

- Präferenz für Einzelarbeit


Im Alltag erkennbar: Der Kollege, der im Homeoffice produktiver ist als im Großraumbüro. Die Freundin, die selten von sich aus anruft, aber zuverlässig da ist, wenn man sie braucht.


Warum das Horneyische Modell heute relevanter ist denn je


In unserer vernetzten, aber oft oberflächlichen Welt sind die drei Horneyischen Bewältigungsstrategien überall sichtbar. Social Media verstärkt entgegenkommendes Verhalten durch Like-Hunting, während Plattformen wie LinkedIn selbstbewusste Selbstdarstellung belohnen. Gleichzeitig wächst die Sehnsucht nach digitaler Auszeit und Rückzug.


Der Schlüssel liegt nicht darin, einen Typ zu "überwinden", sondern Flexibilität zu entwickeln. Gesunde Menschen können situativ zwischen allen drei Strategien wechseln. Der entgegenkommende Typ kann lernen, auch mal "Nein" zu sagen. Der selbstbewusste Typ kann Verletzlichkeit zulassen. Der zurückhaltende Typ kann sich bewusst für Verbindung entscheiden.


Anwendung in Beziehungen und Beruf


Das Verständnis der Horneyischen Typen revolutioniert zwischenmenschliche Beziehungen:


Im Berufsleben:

- Führungskräfte können ihre Teams besser zusammenstellen und motivieren

- Konflikte entstehen oft aus dem Aufeinanderprallen verschiedener Bewältigungsstrategien

- Verkaufsgespräche werden erfolgreicher, wenn man den Typ des Gegenübers erkennt


In Partnerschaften:

- Missverständnisse lösen sich auf, wenn beide Partner ihre Grundmuster verstehen

- Kommunikation wird klarer und empathischer

- Gegenseitige Bedürfnisse werden besser respektiert


Der Weg zur persönlichen Entwicklung


Wahre Persönlichkeitsentwicklung beginnt mit **Selbsterkenntnis**[5][6]. Wenn wir unsere automatischen Reaktionsmuster verstehen, können wir bewusste Entscheidungen treffen, statt unbewusst zu reagieren.


Das Horneyische Modell ist dabei kein starres Korsett, sondern ein Kompass für persönliches Wachstum. Es hilft zu erkennen:

- Welche Strategien wir übermäßig nutzen

- In welchen Situationen wir "automatisch" reagieren

- Wie wir mehr Wahlmöglichkeiten im Verhalten entwickeln können


Die Arbeit mit Persönlichkeitsmodellen wie dem Horneyischen Ansatz ist ein wichtiger Baustein moderner Persönlichkeitsentwicklung. Sie ermöglicht es, nicht nur das eigene Verhalten zu verstehen, sondern auch empathischer und effektiver mit anderen zu interagieren.




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