Warum ist Persönlichkeitsentwicklung so schwer?
- 7. Mai
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Vermutlich wünscht sich jeder Mensch glücklich zu sein, sich weiterzuentwickeln und einen gar “besseren Lebensstandard” zu erreichen. Und dennoch sind viele in ihrem Alltag gefangen und bleiben genau dort stehen, wo sie sind. Sie suchen in der Welt nach etwas, das ihnen kurzfristig Befriedigung verschafft, nur um wenig später wieder in einen Zustand der Unzufriedenheit zurückzufallen. Eben genau an dem Punkt, an dem sie eigentlich nie sein wollten und dem sie versuchen zu entfliehen.
Oft spüren wir, dass uns etwas zurückhält, auch wenn wir es nicht immer klar benennen können. Genau darin liegt die unbequeme, aber auch vielschichtige Wahrheit: Es ist nicht nur die Angst vor dem Unbekannten, die uns aufhält. Meist fehlt uns auch eine klare Vorstellung davon, was und wie wir etwas überhaupt verändern könnten. Und so bleiben wir oft dort, wo wir sind, obwohl wir spüren, dass wir dort nicht glücklich werden können.
Für viele klingt Veränderung gut, aber nur solange sie in der Theorie verweilt. Man setzt sich Neujahrsvorsätze, möchte zum Beispiel Gewicht verlieren. Aber geht man dafür ins Fitnessstudio? Achtet man mehr auf seine Ernährung und verzichtet auch mal? Selten agieren wir hier konsequent und führen diese Lebensweise fort. Doch das liegt nicht immer nur an unserer “Faulheit”. Vielleicht fehlt uns einfach der Mut zur Veränderung, vielleicht eine klare Vorstellung davon, wie dieser Weg konkret aussehen könnte oder die Überzeugung, dass sich die Anstrengung wirklich lohnt.
Unsicherheit hindert uns daran, zu agieren. Niemand wünscht sich Kontrollverlust, schon gar nicht, wenn es um die eigene Persönlichkeit und das eigene Selbst geht. Aber was wir persönlich als Kontrolle verstehen, ist häufig keine echte Kontrolle, sondern die Fähigkeit der Vorhersagbarkeit. Wir fühlen uns sicher, weil wir wissen, was passiert. Unser Gehirn bevorzugt genau deshalb Bekanntes, weil es weniger Risiko bedeutet. Aber wo endet unsere vermeintliche Kontrolle und wo beginnt unsere Weiterentwicklung? Vielleicht liegt die Grenze genau dort, wo das Vertraute uns einerseits die Sicherheit gibt, aber uns andererseits auch daran hindert, neue Erfahrungen zu machen. Wenn wir diese Unsicherheit und den Kontrollverlust nicht nur als Bedrohung sehen, sondern als Chance zum Wachstum, nehmen wir damit den ersten Schritt Richtung Weiterentwicklung.
Dieser innere Widerstand ist uns in den seltensten Fällen bewusst, weil wir uns nicht weiter damit beschäftigen. Wieso also etwas verändern, was bisher doch halbwegs gut funktioniert hat? Doch dieses “halbwegs gut funktionieren” macht uns nicht glücklich. Es passt. Es ist okay. Passabel im weitesten Sinne. Genau dort müssen wir als Person in uns selbst schauen und den Weg der aktiven Handlung einschlagen, in Richtung “besseres Selbst”.
Dazu kommt, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, welches Routinen liebt und gerne Energie spart. Eine Veränderung würde diese Routinen unterbrechen und enorme Kraft beanspruchen. Es entspricht einem Teufelskreis. Unsere Unzufriedenheit führt zu wenig Energie, welche wiederum die Weiterentwicklung verhindert, was dann zu noch mehr Unzufriedenheit führt. Und diesen Kreis gilt es zu durchbrechen. Mit einem Gedanken, einem neuen Verhalten, mit irgendetwas, das anders ist als zuvor. Die Bequemlichkeit und Sicherheit abzulegen und einen Schritt in Richtung Unbekanntes zu gehen. Und dann noch einen. Und noch einen. Bis man an seinem Ziel angekommen ist.
Unsere Entwicklung beginnt selten plötzlich und auf einen Schlag, sondern mit kleinen, bewussten Entscheidungen, die uns nach und nach voranbringen. Wir dürfen diesen Umschwung nicht als kompletten Neustart sehen, sondern als den einen Moment, in dem wir uns mal anders entscheiden, als wir es sonst getan hätten. Ab diesem Punkt bewegen wir uns außerhalb unserer bisherigen Grenzen, was sehr ungewohnt sein kann. Und auch wenn wir nicht wissen, was und wo unser Ziel ist, wird es sich dennoch immer lohnen loszugehen. Der Weg wird nicht plötzlich leicht, aber er wird mit jedem Schritt klarer, bis wir schließlich am Gipfel des Berges stehen und stolz auf den Weg zurückblicken, den wir erklommen haben. Und vielleicht geht es am Ende nicht darum, ein völlig anderer Mensch zu werden, sondern sich der Person zu nähern, die man eigentlich schon immer war, bevor uns die Gesellschaft vorgegeben hat, wer wir zu sein haben.
Aber bin ich bereit, meine Entwicklung dem Zufall zu überlassen, oder übernehme ich die Verantwortung dafür? Und wenn ich mich dagegen entscheide, was wäre dann die Alternative?
Denn Entwicklung findet so oder so statt. Ob wir bewusst handeln oder nicht, wir verändern uns mit jeder Entscheidung, die wir treffen, und die wir nicht treffen. Denn jede Entscheidung, die wir treffen, wird Konsequenzen haben. Die Frage ist hier also nicht, ob wir uns entwickeln, sondern wie. Denn oft passiert genau das. Unsere Entwicklung verläuft unbewusst, in Richtungen, die wir nie aktiv gewählt haben, beeinflusst von unseren Gewohnheiten, Ängsten und äußeren Umständen. Schritt für Schritt entfernen wir uns von dem, was uns scheinbar wichtig ist, ohne es zu bemerken, bis wir irgendwann an einem Punkt stehen und uns fragen: Wie bin ich hier gelandet? Und wann habe ich aufgehört, bewusst zu entscheiden, wer ich eigentlich sein möchte? Es geht also weniger darum, die vermutlich unerreichbare “perfekte” Version unserer Selbst zu erreichen, sondern darum, wieder bewusst die Kontrolle darüber zu übernehmen, welchen Weg wir am Ende des Tages einschlagen.
Entwicklung ist ein organischer Prozess, der sich konstant weiterbildet. Wir können diesen weder verlangsamen noch ganz aufhalten. Denn wer sich nicht entwickelt, wird immer an derselben Stelle stehen bleiben, während die Welt um einen herum sich nach und nach weiterdreht. Unsicherheit wird dabei immer ein Teil des Prozesses bleiben. Doch das ist für uns das Zeichen, dass wir nicht mehr stillstehen und uns weiterentwickeln. Dass wir unsere gewohnten vier Wände verlassen. Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Entscheidung. Warten wir darauf, dass sich etwas verändert oder beginnen wir, es selbst in die Hand zu nehmen?



